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Digitale Plattformen

eTwinning: Schulpartnerschaft ohne Reisekosten

Der klassische Schüleraustausch scheitert oft an Geld, Terminen und Elternunterschriften. eTwinning umgeht all das: eine kostenlose EU-Plattform, auf der Schulen aus verschiedenen Ländern gemeinsam an …

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Grafik aus vernetzten Knotenpunkten als Sinnbild für Schulpartnerschaften

Der klassische Schüleraustausch scheitert oft an Geld, Terminen und Elternunterschriften. eTwinning umgeht all das: eine kostenlose EU-Plattform, auf der Schulen aus verschiedenen Ländern gemeinsam an einem Projekt arbeiten, ohne dass jemand verreisen muss. Das klingt nach Notlösung, ist aber für viele Schulen der einzige realistische Einstieg in europäische Zusammenarbeit – und häufig die Vorstufe zu einem geförderten Austausch.

Was eTwinning ist, und was es nicht ist

eTwinning ist ein Online-Raum, in dem Schulen zusammenarbeiten. Lehrkräfte finden dort Partner, legen gemeinsame Projekte an und dokumentieren die Ergebnisse. Die Plattform ist ausdrücklich kostenlos; sie wird aus dem Erasmus+-Programm finanziert und verlangt weder Mitgliedsbeiträge noch Lizenzgebühren.

Ebenso wichtig ist, was eTwinning nicht ist: keine Förderlinie. Es fließt kein Geld an die Schule, es gibt keinen Antrag, keine Frist und keine Abrechnung. Wer Reisekosten braucht, muss den Weg über Erasmus+ gehen. eTwinning finanziert die Infrastruktur, nicht das einzelne Vorhaben.

Seit der Zusammenführung mehrerer EU-Portale ist eTwinning Teil der European School Education Platform. Wer noch nach der alten eigenständigen Adresse sucht, landet inzwischen dort.

Wer teilnehmen darf

Die Plattform steht Lehrkräften und pädagogischem Personal in den teilnehmenden Ländern offen, und zwar über alle Bildungsstufen hinweg: frühkindliche Bildung, Grundschule, weiterführende Schulen, berufliche Bildung. Auch Lehrkräfteausbildende und Lehramtsstudierende können sich registrieren.

Schülerinnen und Schüler nehmen nicht mit eigenem Konto teil, sondern werden von der Lehrkraft in den Projektraum eingebunden. Das ist datenschutzrechtlich der entscheidende Unterschied zu offenen Plattformen: Die Schule behält die Kontrolle darüber, wer im Projekt sichtbar ist.

Registrierung und Freischaltung

Die Anmeldung läuft in zwei Schritten, und der zweite wird gern übersehen.

Zuerst legt man ein EU-Login-Konto an und registriert sich damit auf der European School Education Platform. Dieses Konto ist dasselbe, das auch für Erasmus+-Anträge gebraucht wird – wer es schon hat, spart sich den Schritt.

Danach beantragt man die Freischaltung als eTwinner bei der nationalen Koordinierungsstelle. Erst nach dieser Validierung lassen sich Partner suchen und Projekte anlegen. Zwischen Registrierung und Freischaltung liegt Bearbeitungszeit; wer ein Projekt zum Schuljahresbeginn starten will, meldet sich besser vor den Sommerferien an.

Der TwinSpace als Arbeitsraum

Jedes Projekt bekommt einen TwinSpace: einen geschlossenen Bereich, in dem Materialien, Aufgaben und Ergebnisse liegen und in dem der eigentliche Austausch stattfindet. Zugriff haben nur die beteiligten Lehrkräfte und Lernenden.

In der Praxis ist das der Punkt, an dem sich zeigt, ob ein Projekt trägt. Ein TwinSpace, in den beide Seiten nur ihre fertigen Ergebnisse hochladen, ist eine Ablage. Ein TwinSpace, in dem Zwischenstände kommentiert und Aufgaben gemeinsam bearbeitet werden, ist ein Projekt. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern in der Absprache zwischen den Lehrkräften – am besten vor dem Start, mit festen Terminen für Zwischenschritte.

Wer in Deutschland zuständig ist

Koordiniert wird eTwinning in Deutschland vom Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz. Der PAD ist zugleich die Nationale Agentur für Erasmus+ im Schulbereich, was die Kombination beider Wege erleichtert.

Angeboten werden eine zentrale Beratung, ein Helpdesk unter der kostenfreien Nummer 0800-389 466 464 sowie regionale Ansprechpersonen in den Ländern. Für Schulen, die zum ersten Mal ein internationales Projekt anlegen, ist der Anruf dort meist schneller als die Suche in der Dokumentation.

Qualitätssiegel und Deutscher eTwinning-Preis

Abgeschlossene Projekte können für ein nationales Qualitätssiegel eingereicht werden. Bewertet werden sinnvoller Medieneinsatz, lebendiger Gebrauch der Fremdsprache und pädagogischer Mehrwert – also nicht die Menge der produzierten Materialien, sondern ob das Projekt fachlich etwas gebracht hat.

Die Bewertung erfolgt in drei Altersgruppen: 7 bis 11 Jahre, 12 bis 15 Jahre und 16 bis 21 Jahre. Die bestbewerteten Projekte rücken automatisch in die Auswahl für den Deutschen eTwinning-Preis. Für Schulen ist das Siegel weniger wegen der Auszeichnung interessant als wegen des Nebeneffekts: Die Einreichung zwingt dazu, das Projekt sauber zu dokumentieren, und diese Dokumentation ist später die halbe Miete für einen Erasmus+-Antrag.

eTwinning als Vorstufe zum geförderten Austausch

Der praktische Wert liegt oft weniger im Projekt selbst als in dem, was danach möglich wird. Erasmus+-Anträge werden auch danach bewertet, ob die beteiligten Organisationen erkennbar etwas gemeinsam vorhaben. Ein Partner, der vier Wochen vor Fristende gesucht wurde, ist im Bewertungsraster sichtbar.

Eine Schule, die vorher ein Jahr lang ein eTwinning-Projekt mit demselben Partner durchgezogen hat, kann genau das belegen: gemeinsame Arbeitsergebnisse, dokumentierte Absprachen, eine funktionierende Arbeitsbeziehung. Der Weg über eTwinning kostet ein Schuljahr, macht den Folgeantrag aber deutlich belastbarer.

Wer den Einstieg sucht, findet die Plattform bei der European School Education Platform; die deutschsprachige Beratung läuft über den PAD.

Häufig gestellte Fragen

Was kostet eTwinning?

Nichts. Die Plattform ist kostenlos und wird aus dem Erasmus+-Programm finanziert. Es gibt keine Mitgliedsbeiträge und keine Lizenzkosten für Schulen. Anders als bei Mobilitätsprojekten wird aber auch kein Geld ausgezahlt – gefördert wird die Infrastruktur, nicht das einzelne Projekt.

Wer darf mitmachen?

Lehrkräfte und pädagogisches Personal aus allen Bildungsstufen: frühkindliche Bildung, Grundschule, weiterführende Schulen und berufliche Bildung. Auch Lehrkräfteausbildende und Lehramtsstudierende können sich registrieren. Schülerinnen und Schüler arbeiten über die Lehrkraft im Projektraum mit.

Wie melde ich mich an?

Über die European School Education Platform mit einem EU-Login-Konto. Danach beantragt man die Freischaltung als eTwinner bei der nationalen Koordinierungsstelle des eigenen Landes. Erst nach dieser Validierung kann man Partner suchen und Projekte anlegen.

Was ist der TwinSpace?

Ein geschlossener Arbeitsbereich für jedes Projekt. Dort liegen Materialien, Aufgaben und Ergebnisse, dort finden Austausch und Dokumentation statt. Der Zugang ist auf die beteiligten Lehrkräfte und Lernenden beschränkt, was den Umgang mit Schülerdaten deutlich einfacher macht als eine offene Plattform.

Brauche ich für eTwinning einen Erasmus+-Antrag?

Nein. eTwinning funktioniert eigenständig und ohne Antrag, Frist oder Budget. Es lässt sich aber mit Erasmus+ kombinieren: Viele Schulen nutzen ein eTwinning-Projekt, um einen Partner kennenzulernen, bevor sie eine geförderte Mobilität beantragen.

Was bringt das Qualitätssiegel?

Es ist eine Auszeichnung für Projekte mit sinnvollem Medieneinsatz, lebendigem Fremdsprachengebrauch und erkennbarem pädagogischem Mehrwert. Bewertet wird in drei Altersgruppen: 7 bis 11, 12 bis 15 und 16 bis 21 Jahre. Die bestbewerteten Projekte kommen automatisch in die Auswahl für den Deutschen eTwinning-Preis.

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