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Europäische Sprachenvielfalt

Voltaire und Brigitte Sauzay: Austausch nach Frankreich

Ein Sprachtandem am Küchentisch ist das eine. Ein halbes Jahr in einer französischen Familie ist etwas anderes. Das Deutsch-Französische Jugendwerk betreibt dafür zwei Programme, die sich in Dauer, Alter und …

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Grafik aus vernetzten Knotenpunkten als Sinnbild für Schüleraustausch

Ein Sprachtandem am Küchentisch ist das eine. Ein halbes Jahr in einer französischen Familie ist etwas anderes. Das Deutsch-Französische Jugendwerk betreibt dafür zwei Programme, die sich in Dauer, Alter und vor allem im Vorlauf deutlich unterscheiden – und die beide auf demselben Prinzip beruhen: Gegenseitigkeit.

Die Angaben in diesem Text beziehen sich auf den Stand August 2026. Fristen und Bedingungen ändern sich; verbindlich ist die Programmseite des DFJW.

Das Prinzip: Man geht hin und nimmt auf

Beide Programme funktionieren als reziproker Individualaustausch. Man lebt für eine festgelegte Zeit in der Familie der Austauschpartnerin oder des Austauschpartners und besucht dort die Schule. Anschließend – oder vorher – kommt die andere Person für dieselbe Zeit in die eigene Familie.

Daraus folgt eine Bedingung, die viele unterschätzen: Es braucht nicht nur ein Kind, das fahren will, sondern eine Familie, die bereit ist, für Monate jemanden aufzunehmen. Wer nur die Hinreise plant, kann nicht teilnehmen. Diese Gegenseitigkeit ist zugleich der Grund, warum die Programme vergleichsweise günstig sind: Es gibt keine Unterbringungskosten, weil beide Seiten sie tragen.

Brigitte Sauzay: zweimal drei Monate

Das Brigitte-Sauzay-Programm richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 11, die Französisch lernen. Der Aufenthalt umfasst zwei Phasen von je drei Monaten: drei Monate in Frankreich, drei Monate Aufnahme der Partnerin oder des Partners in Deutschland.

Der wesentliche Vorteil ist die Flexibilität. Die beiden Phasen können innerhalb eines Schuljahres liegen oder auf zwei verteilt werden; den Zeitpunkt stimmen die Familien und die beteiligten Schulen untereinander ab. Wer im Frühjahr fährt und im Herbst aufnimmt, kann Prüfungsphasen aussparen.

Die Partnersuche liegt bei den Familien selbst. Das DFJW stellt dafür Kleinanzeigen bereit, über die sich Interessierte finden. Danach füllen beide Familien ein Austauschdossier aus und unterschreiben es; das Original bleibt bei der aufnehmenden Familie, Kopien gehen an beide Schulen.

Der Förderantrag wird online über die DFJW-Plattform gestellt, spätestens einen Monat vor dem Aufenthalt. Das ist ein kurzer Vorlauf – die eigentliche Arbeit liegt vorher, bei der Partnersuche und der Zustimmung der Schule.

Voltaire: zweimal sechs Monate

Das Voltaire-Programm ist die intensivere Variante. Es richtet sich an die Klassen 8, 9 und 10 und umfasst insgesamt zwölf Monate: sechs Monate Aufnahme der französischen Partnerin oder des Partners in Deutschland, sechs Monate eigener Aufenthalt in Frankreich. Die Phasen sind fest gelegt, nicht frei wählbar.

Für die Partnersuche gibt es hier einen wichtigen Unterschied: Man kann sich einzeln bewerben und bekommt eine Partnerin oder einen Partner zugewiesen. Wer bereits jemanden kennt, bewirbt sich gemeinsam. Für Familien ohne bestehende Kontakte nach Frankreich ist Voltaire deshalb oft der leichter zugängliche Weg, obwohl es das anspruchsvollere Programm ist.

Der Preis dieser Zuteilung ist der Vorlauf. Für die Kampagne 2027/2028 lag der Bewerbungsschluss am 6. November 2026. Wer im Frühjahr anfängt zu überlegen, ist für den kommenden Jahrgang zu spät. Begleitet wird das Programm durch Seminare in beiden Phasen; die Anmeldung läuft über die Programmplattform, nicht über die Schule.

Was das kostet

Beide Programme sind keine Vollstipendien. Das DFJW gewährt einen Fahrtkostenzuschuss, der über die jeweilige Plattform beantragt wird. Ausgezahlt wird üblicherweise erst nach der Rückkehr, gegen einen Erfahrungsbericht und eine Bestätigung der französischen Schule über die Dauer des Schulbesuchs.

Praktisch heißt das: Die Familie geht in Vorleistung. Fahrtkosten, Taschengeld und Versicherungen fallen vorher an, der Zuschuss kommt hinterher. Wer knapp kalkuliert, sollte das einplanen und nicht mit dem Zuschuss die Fahrkarte bezahlen wollen.

Unterbringung und Verpflegung kosten dagegen nichts, weil sie über die Gegenseitigkeit abgedeckt sind – die aufnehmende Familie trägt sie jeweils selbst. Genau das macht diese Programme zu den günstigsten Wegen für einen längeren Auslandsaufenthalt im Schulalter.

Die Schule ist der eigentliche Engpass

In den Programmbeschreibungen steht die Zustimmung der eigenen Schule als ein Punkt unter vielen. In der Praxis ist sie der häufigste Grund, warum ein Austausch nicht zustande kommt.

Drei bis sechs Monate Abwesenheit bedeuten versäumten Stoff, ausgefallene Klassenarbeiten und offene Fragen zur Versetzung. Wie das gehandhabt wird, entscheidet die Schule, und die Regelungen unterscheiden sich zwischen Bundesländern und teilweise zwischen einzelnen Schulen. Das Gespräch mit der Schulleitung gehört deshalb an den Anfang der Planung, nicht ans Ende – vor die Partnersuche und lange vor den Antrag.

Wer diese Frage geklärt hat, findet den Rest vergleichsweise geradlinig: Die Programme sind seit Jahrzehnten eingespielt, die Formulare überschaubar, und die Beratung beim DFJW ist auf genau diese Fälle eingerichtet.

Häufig gestellte Fragen

Worin unterscheiden sich Voltaire und Brigitte Sauzay?

Vor allem in der Dauer und im Vorlauf. Brigitte Sauzay umfasst zweimal drei Monate und lässt sich flexibel über ein oder zwei Schuljahre legen. Voltaire umfasst zweimal sechs Monate in festen Phasen und muss fast ein Jahr im Voraus beantragt werden. Sauzay ist der kürzere, flexiblere Weg, Voltaire der intensivere.

Muss ich meinen Austauschpartner selbst finden?

Beim Brigitte-Sauzay-Programm ja: Die Partnersuche läuft eigenständig, unter anderem über die DFJW-Kleinanzeigen. Beim Voltaire-Programm kann man sich einzeln bewerben und bekommt eine Partnerin oder einen Partner zugewiesen; wer bereits jemanden hat, bewirbt sich gemeinsam.

Welche Klassenstufe brauche ich?

Für Brigitte Sauzay die Klassen 8 bis 11, für Voltaire die Klassen 8 bis 10. Beide setzen voraus, dass Französisch gelernt wird. Die genauen Anforderungen können je nach Bundesland abweichen, weil die Schulzeitregelungen Ländersache sind.

Bis wann muss ich mich bewerben?

Beim Brigitte-Sauzay-Programm wird der Förderantrag einen Monat vor dem Aufenthalt gestellt, online über die DFJW-Plattform. Beim Voltaire-Programm liegt der Bewerbungsschluss deutlich früher: für den Jahrgang 2027/2028 am 6. November 2026.

Wie wird die Fahrt bezahlt?

Das DFJW gewährt einen Fahrtkostenzuschuss, der über die Programmplattform beantragt wird. Ausgezahlt wird in der Regel nach der Rückkehr, gegen Erfahrungsbericht und eine Bestätigung der französischen Schule über die Dauer des Aufenthalts. Die Familien gehen also zunächst in Vorleistung.

Was passiert mit dem verpassten Unterricht?

Die eigene Schule muss dem Aufenthalt zustimmen, und diese Zustimmung ist keine Formalie. Es lohnt sich, früh mit der Schulleitung zu klären, wie der versäumte Stoff behandelt wird und ob die Versetzung gefährdet ist. Diese Frage entscheidet in der Praxis häufiger über das Zustandekommen als die Bewerbung selbst.

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